Ein Blick in die Geschichte

Vor 40 Jahren geehrt - spanischer Kulturverein zeigte in Wörth wie Integration gelingen kann

Ein besonderer Moment in der Geschichte der Stadt Wörth am Rhein: 1986 wurde dem damaligen Bürgermeister, Harald Seiter, der Spanische Zivilverdienstorden des ehemaligen Königs Juan Carlos I, vertreten durch den spanischen Botschafter Eduardo Foncillas, in Bonn-Bad Godesberg verliehen. Gewidmet ist der Orden vor allem den Bürgerinnen und Bürgern, die den Spanischen Kulturverein und seine Arbeit in Wörth von 1973 bis 1989 unterstützt haben.

Der Name des ehemaligen Vorsitzenden des Spanischen Kulturvereins, Amadeu Casanovas, der in diesem Jahr seinen 96. Geburtstag feiern durfte, ist vielen in Wörth noch ein Begriff. Unter seiner Leitung rief der Verein zahlreiche Freizeit- und kulturelle Veranstaltungen ins Leben. Bei allen Mitgliedern – darunter auch viele Deutsche – und Gästen war vor allem die spanische Küche, die im Clubhaus angeboten wurde, beliebt. Hier wirkten der Spanische Kulturverein und der Wörther Ruder- und Kanu-Club unter einem Dach. Das war gelebte Völkerverständigung.

Wie es zur Würdigung kam

Amadeu Casanovas kam als junger Tenor nach Karlsruhe, seine Karriere musste der Sänger jedoch bald aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Glücklicherweise fand er alsbald eine neue Aufgabe als Leiter der Kundenbetreuung bei Daimler Truck. Und eine neue Leidenschaft, indem er sich für die Integration der spanischen Kollegen und die spanische Kultur einsetzte. Unterstützt wurde er in seiner Arbeit auch durch die Stadt Wörth am Rhein und ihre Bürgerinnen und Bürger. Um seinen Dank auszudrücken, setzte sich Casanovas beim spanischen König für eine Würdigung ein.

So konnte Bürgermeister a. D. Harald Seiter am 12. Oktober 1986 die Ehrung aus den Händen des spanischen Botschafters entgegen nehmen. „Das war für mich ein ganz besonderer Tag und für unsere Stadt eine Würdigung, auf die alle Bürgerinnen und Bürger stolz sein können“, erinnert sich Harald Seiter an die Zeit vor 40 Jahren.

Der Spanische Kulturverein wurde übrigens 1989 aufgelöst. Die Gründe dafür liegen in der Entwicklung - viele Familien sind Ende der 80er Jahre nach Spanien zurückgekehrt und die jüngere Generation, die teilweise hier geboren wurde, ist voll integriert. Der Verein hatte seinen Zweck erfüllt – und gezeigt, wie gut Integration gelingen kann.

(Foto aus: Amadeu Casanovas Memories 2012, S.261)

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