Neujahrsgruß des Bürgermeisters

Bürgermeister Dr. Dennis Nitsche richtet sich mit einigen Gedanken zum neuen Jahr an die Einwohner der Stadt Wörth am Rhein.

Liebe Mitbürgerin! Lieber Mitbürger!

Für den Start in das neue Jahr 2022 wünsche ich Ihnen alles Gute. Bleiben Sie gesund und guten Mutes! Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für alles, was Sie sich in diesem Jahr vorgenommen haben, vor allem aber viel Freude und Zufriedenheit – und die hohe Kunst des Glücklichseins!

Das hinter uns liegende Jahr 2021 war kein einfaches – weder für unsere Gesellschaft noch für unsere Kommune. Finanzielle Engpässe, die Pandemie, Verwerfungen im Wirtschaftsleben – die Herausforderungen waren zahlreich und schwerwiegend. Dennoch ist es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung gelungen, zahlreiche Projekte und Arbeiten voranzubringen:

Die Eisenbahnstraße in Maximiliansau ist nahezu fertiggestellt, der Winterrasen in Büchelberg wird in Bälde fertiggestellt, mit dem Neubaugebiet in Schaidt geht es voran und in Wörth startete die Sanierung der Ottstraße und für die Weiterentwicklung des Dorschbergzentrums konnten erhebliche Bundesmittel gewonnen werden. Zudem haben wir in Sachen Klimaschutz große Fortschritte geschafft und zahlreiche PV-Anlagen installiert und über zweihundert Bäume gepflanzt. Besonders freut mich, dass unsere Umstellung von Mulchen (Zerhäckseln von Grüngut - und leider auch der Lebewesen!) auf schonende traditionelle Mahd zu einer wahren Wildblumenpracht geführt hat. Auf den wissenschaftlich überprüften Monitoringflächen haben wir nach nur zwei Jahren bis zu 700 Prozent mehr Insekten als zuvor – wir können das Insektensterben aufhalten und sogar rückgängig machen! Das gibt Hoffnung, dass es uns ebenfalls in einer gemeinsamen Kraftanstrengung gelingen wird, die Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen und das Schlimmste doch noch zu verhindern. Hier bleibt aber noch vieles zu tun, bis wir die Klimaneutralität erreicht haben. Packen wir es an!

Viele weitere Vorhaben stehen für das neue Jahr auf der Agenda: Der Stadtrat hat mit großer Mehrheit den Neubau des Ganzjahresbads auf den Weg gebracht. Die Baukosten werden mit über 25 Millionen Euro eine erhebliche Belastung darstellen – ich baue darauf, dass sich auch der Landkreis mit erkennbarem Engagement beteiligen wird, denn von den Wörther Bädern profitieren Schüler, Vereine und Bürgerinnen und Bürger des gesamten Landkreises. Erhebliche Zuschüsse des Bundes und des Landes stehen bereits in Aussicht.

Die Sanierung des Wasserwerks Schaidt steht bevor. Die Entwicklung des Gewerbegebiets Pappelallee befindet sich nach vielen, zeit- und kräfteraubenden Hürden endlich auf der Zielgeraden. Und für die Entwicklung des Neubaugebiets geht der Erwerb der erforderlichen Grundstücke erfreulich gut voran.

Gemeinsam mit der Ökumenischen Sozialstation hat die Stadtverwaltung einen Vorschlag für ein Seniorenwohnprojekt in Büchelberg entwickelt – das Jahr 2022 wird zeigen, ob nach Zustimmung der Gremien ein Investor für das Vorhaben begeistert werden kann. Die Dorfentwicklung wird weiterhin fortgeführt. Besonders freue ich mich auf die Eröffnung des Winterrasens – gemeinsam mit dem Sportverein Büchelberg hat die Stadtverwaltung mit dem Winterrasen eine ausgezeichnete Lösung gefunden, wenngleich sich die Baukosten leider unerfreulich entwickelt haben –aufgrund einer Vergrößerung des Platzes im Vergleich zum Hartplatz, allgemeiner Baukostenentwicklungen und Bunkerreste an unerwarteter Stelle.

Die Entwicklung des Altorts Wörth wird uns weiterhin stark beschäftigen. Nach der Fertigstellung der Ottstraße (rund 15 Monate Bauzeit) werden wir uns der Sanierung der Ludwig-, Luitpold- und Bahnhofstraße widmen. Zudem fördert das Land Rheinland-Pfalz im Zuge der Bauland-Förderinitiative die im Altortrahmenplan entworfene Entwicklung der Volgerwiesen und des Areals zwischen Herren- und Moltkestraße.

Hinsichtlich der Dorschbergentwicklung beginnt 2022 eine wichtige Phase: Gemeinsam mit den Gremien und intensiver Bürgerbeteiligung wollen wir ein Konzept entwerfen, wie wir das Zentrum dauerhaft stärken, beleben und attraktiv für Gewerbetreibende, Bewohner und Besucher entwickeln können. Der Bau der Erschließung für die Sportanlagen auf dem Schauffele-Gelände soll 2023 beginnen – 2022 wird daher von intensiven Planungsprozessen und Vorbereitungen geprägt sein.

In Maximiliansau wird der Platz an der Kehle gebaut und die lange ausstehende Entwicklung des Kappelmanngeländes wird voraussichtlich Ende 2022 vom Baubeginn gekrönt. Zudem werden wir das Schöpfwerk Maximiliansau verstärken, um für künftige Extremlagen (Starkregen und anhaltendes Hochwasser) gewappnet zu sein.

Persönlich wünsche ich mir für das Jahr 2022, dass wir als Gesellschaft wieder mehr erkennen, was uns zusammenhält. Ich halte es mit dem Motto unseres neuen Bundeskanzlers: Es geht um Respekt – im Umgang miteinander, um Anerkennung anderer Meinungen und auch um das Aushalten, wenn die persönliche Meinung nicht der Meinung der Mehrheit entspricht und die Mehrheit anders entscheidet als man es persönlich gerne hätte. In einer Demokratie hat jede Meinung die Chance, zur Mehrheitsmeinung zu werden. Es gehört jedoch zu den Spielregeln der Demokratie, dass man die Entscheidung der Mehrheit akzeptiert und respektiert und an der nachfolgenden Umsetzung der gefassten Beschlüsse konstruktiv mitwirkt.

Mich hat sehr betrübt, dass es in der wichtigen Diskussion um den richtigen Umgang mit der Pandemie zu erheblichen Sachbeschädigungen gekommen ist. Sicherlich ist richtig, dass man zur ein oder anderen Maßnahme kritisch eingestellt sein kann – allerdings gilt es zu respektieren, dass niemand hellseherische Kräfte hat und im ehrlichen Bemühen um gute Lösungen zwangsläufig auch Fehler passieren. Es ist nun einmal die erste so schwerwiegende Pandemie zu unseren Lebzeiten – niemand hat von vorneherein die Wahrheit gepachtet. Im Großen und Ganzen jedoch haben unser Staat und auch unsere Gesellschaft eine bemerkenswerte Ruhe und Stabilität im Umgang mit Corona bewiesen. Wir haben angepackt, wir haben um die beste Lösung gerungen. Und wir haben es geschafft, insgesamt bemerkenswert gut durch diese Krise zu kommen. Wir sind als Demokratie und auch als Gesellschaft gereift – und wir haben unseren Kompass neu ausgerichtet auf das, was wirklich wichtig ist: Gesundheit, Lebensfreude, Glücklichsein, füreinander einstehen und Solidarität. Das freut mich persönlich wirklich sehr. Wir werden verändert aus dieser Erfahrung herausgehen und ich bin fest überzeugt, dass es eine positive Veränderung ist.

Als Bürgermeister stehe ich für alle Bürgerinnen und Bürger zum Gespräch bereit – und ich habe selbstverständlich häufig auch mit Personen gesprochen, die Meinungen vertreten, denen ich persönlich mich nicht anschließen kann. Wir brauchen den Dialog – aber bitte nicht an Hauswänden, sondern an Gesprächstischen. Wir brauchen gegenseitige Akzeptanz als Demokraten – dazu zählt die Akzeptanz, dass eine große Mehrheit der Menschen in diesem Land die Schutzvorkehrungen vor Corona und die Möglichkeit des Impfens stark begrüßt. Dazu gehört die Akzeptanz, dass es Menschen gibt, für die eine Infektion mit Corona schwerwiegende Folgen bis zum Tod haben kann. Auch der Respekt vor den viel zu vielen Menschen, die an oder mit Corona verstorben sind, gebietet tiefe Demut. Wichtig ist auch die Akzeptanz, dass es eine freie Entscheidung ist, sich impfen zu lassen. Wer sich dagegen entscheidet, der darf das tun in unserem Land. Eine ungeimpfte Person trägt das Risiko unnötig schwerer Krankheitsverläufe selbst. Sie trägt aber auch Verantwortung, wenn sie das Virus weiterträgt und andere infiziert und nicht alles dafür getan hat, das zu verhindern. Mir persönlich ist wichtig, ältere Menschen und Vorerkrankte zu schützen. Daher habe ich mir bereits die Auffrischungsimpfung verabreichen lassen. Gemeinsam haben meine Frau Katrin und ich entschieden, auch unsere Kinder impfen zu lassen. Zu ihrem und unserem Schutz, zum Schutz der Großeltern, der Lehrerinnen und Lehrer und aller Freunde und Bekannten. Jeder tue das, was er kann, damit die eigene Freiheit, die Freiheit des anderen nicht beeinträchtigt.

Wir sollten nicht vergessen, wie gut es uns geht in der heutigen Zeit und dass wir absolut privilegiert sind, in einem so gut funktionierenden Land in so großem Wohlstand leben zu dürfen. Das ist auf unserem kleinen Planeten beileibe keine Selbstverständlichkeit – und auch in unserem Land haben wir ungleich schwerere Zeiten hinter uns. Meine Großväter haben Kriegsteilnahme und Gefangenschaft hinter sich, meine Großmütter Zerstörung, Flucht und Vertreibung – mir käme nicht in den Sinn wegen der vergleichsweise geringen Corona-Einschränkungen zu klagen. Ich würde mich schämen vor meinen Großeltern. Selbstverständlich darf man mal von Corona und der ganzen Misere genervt sein und das auch artikulieren, das ist menschlich und verständlich. Es geht um das Maß und die Art und Weise. Wichtig ist mir, dass wir anständig miteinander umgehen. Dazu zählt zuvorderst die Anerkennung des anderen und: Respekt.

Im vergangenen Jahr habe ich Ihnen das Abendgebet von Thomas von Aquin mit in die Weihnachtszeit gegeben. Zum neuen Jahr 2022 möchte ich Ihnen ein weiteres Zitat von Thomas von Aquin ans Herz legen:

Wir müssen beide lieben.

Die, deren Meinung wir teilen

und die, deren Meinung wir ablehnen,

denn beide haben sich auf der Suche

nach Wahrheit abgemüht und beide haben uns geholfen, sie zu finden.

Thomas von Aquin


Begegnen wir uns in diesem Jahr 2022 mit Respekt, mit Wahrhaftigkeit, mit Anstand, mit Aufrichtigkeit und mit gegenseitiger Anerkennung und Respekt – im Privaten, im Beruf, in der Politik. Dann wird das Jahr 2022 ein sehr gutes Jahr für uns alle werden. Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute für das neue Jahr – und ich freue mich sehr auf das Wiedersehen mit Ihnen bei Festen, auf Veranstaltungen und im Alltag!

Ihr Bürgermeister
Dr. Dennis Nitsche

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